Die Ausstellungen in Môtiers
1985 und 1989 hiessen die Ausstellungen in Môtiers noch : Schweizerische Skulpturenausstellungen. Oft haben die Besucher eine beschränkte Vorstellung von Skulptur: Objekte aus Bronze, Holz, Eisen. Aber was ist mit einer Inschrift auf einer Mauer, einem Foto, das eine Landschaft zeigt, was ist mit Klängen, Videos, Performances im stillen Einverständnis mit den Besuchern, was ist mit all diesen Interventionsmöglichkeiten an einem Ort, die heute einen Künstler inspirieren? Deshalb reden wir seit 1995 von Môtiers 95 – oder 2003 – oder 2007 – oder 2011 - Art en plein air.
Das Konzept
Da unser abwechslungsreicher Rundgang durch verschiedene Landschaften und historisch wertvolle Örtlichkeiten führt, haben wir Werken, die „in situ“ und mit Bezug auf die Umgebung geschaffen werden, den Vorzug gegeben. Die Ausstellung lädt den Besucher zu einem aussergewöhnlichen und vielfältigen historischen und künstlerischen Spaziergang ein. Wesentliche Elemente sind : das Dorf Môtiers, dessen schöne Häuser und Bauernhöfe aus dem 17. und 18. Jahrhundert die Hauptstrasse säumen, seine öffentlichen Gebäude, die schon gewisse aufrührerische Künstler inspiriert haben, seine Absinthbrennereien und historischen Gebäude :
- das Hôtel des Six-Communes, die ehemalige Markthalle aus dem 16. Jahrhundert,
- das Priorat St. Pierre, das wahrscheinlich aus dem 10. Jahrhundert stammt und wo heute berühmte Schaumweine hergestellt werden,
- das Maison des Mascarons, Ortsmuseum und Kulturzentrum, dessen Hof und Saal schon Werke von Max Bill, Niki de St-Phalle, Günther Förg, Camesi, Tinguely, Spoerri, Paolucci, Fischli-Weiss, Eva Aeppli....beherbergt haben,
- das Rousseau-Haus, in dem der Philosoph drei Jahre seines Lebens verbrachte,
- La Grange, ein wunderbares Museum für die Kunst der australischen Aborigines, gegründet von einem Sammler-Ehepaar...
- die Geschichte des Dorfes und des Tals ist für viele eingeladene Künstler eine Inspirationsquelle: Absinth, Jean-Jacques Rousseau, Asphalt aus dem Val-de-Travers, Uhrenindustrie und besonders die sogenannten « chinesischen » Uhren, Schaumwein aus dem Priorat...
- der Bezug zur Natur und der Landschaft: Unterwegs entdeckt der Besucher eine sehr tiefe Höhle, drei Bäche, einen spektakulären Wasserfall, eine grosse Lichtung mit einer sympathischen Bar, Findlinge, die Gletscher vor langer Zeit bis hierher gebracht haben, steile Felswände am Wegrand, einen wunderschönen Plenterwald und eine phantastische Aussicht auf das Val-de-Travers – sozusagen eine Zusammenfassung der verschiedenen Juralandschaften.
- Den Künstlern werden keine Themen vorgeschrieben. Sie schätzen diese Freiheit wie auch die Möglichkeit, mit Kollegen aus den anderen Sprachgebieten der Schweiz zusammenzukommen. Jüngere treffen ältere, bekannte Künstler machen mit Anfängern Bekanntschaft. Galeristen und Sammler werden das eine oder andere Werk schätzen...
Die Besucher
Sie kommen aus der ganzen Schweiz, aus Frankreich und aus Deutschland. Ihre genaue Anzahl zu erfassen, ist jedoch sehr schwer. Auch wenn an der Kasse Eintrittskarten verkauft werden, gibt es immer wieder Leute, die ohne zu zahlen, an ihr vorbeigehen.
Dazu kommt, dass der Eintritt für die Bewohner von Môtiers und ihre Gäste gratis ist.
Zusammenfassung
Die Ausstellungen in Môtiers – 2011 findet die sechste statt – haben in der schweizerischen Kunstlandschaft einen wichtigen Platz eingenommen. Sie leben von den möglichen Bezügen der Kunst zur Geographie, zur Geschichte, zum Kulturerbe, zur Natur. Sie begeistern ein grosses Publikum von Laien, die oft mit ihren Familien kommen. Sie bieten jungen sowie schon bekannten Künstlern eine Möglichkeit zur Kreation ausserhalb der Museen und Galerien. Sie werten auch das Interesse auf für eine etwas abgelegene Gegend, deren Bevölkerung sich bei solchen Gelegenheiten voll einsetzt.