Môtiers 2015, Siebte Ausgabe

Die Ausstellungen in Môtiers

1985 und 1989 hiessen die Ausstellungen in Môtiers noch : Schweizerische Skulpturenausstellungen. Oft haben die Besucher eine beschränkte Vorstellung von Skulptur: Objekte aus Bronze, Holz, Eisen. Aber was ist mit einer Inschrift auf einer Mauer, einem Foto, das eine Landschaft zeigt, was ist mit Klängen, Videos, Performances im stillen Einverständnis mit den Besuchern, was ist mit all diesen Interventionsmöglichkeiten an einem Ort, die heute einen Künstler inspirieren? Deshalb reden wir seit 1995 von Môtiers 95 – oder 2003 – oder 2007 – oder 2011 - Art en plein air.

Allgemeines Konzept der Ausstellungen von Môtiers

Mit der ersten Ausstellung im Jahr 1985 definierten wir das Konzept, das auch die kommenden Ausstellungen von Môtiers charakterisieren sollte – es gilt bis heute. Das Konzept lässt sich auf einige Punkte zusammenfassen:

  1. Die Einladung der Künstler obliegt einer Jury, die sich aus Mitgliedern der Eidgenössischen Kunstkommission, Sachverständigen der Kunst und einem oder mehreren Mitgliedern unseres Komitees zusammensetzt. Damit ist die hohe Qualität der ausstellenden Künstler garantiert. Den Vorsitz der Jury führt der Präsident bzw. die Präsidentin der Eidgenössischen Kunstkommission.
  2. Wir haben beschlossen, Môtiers zu einem Ort der Begegnungen zu machen: Begegnungen zwischen sehr bekannten Künstlern und jüngeren Künstlern, Begegnungen der drei Sprachregionen, Begegnungen mit Besuchern aus der ganzen Schweiz, Familien und Kunstkennern – ein Ort, den man ohne Krawatte besuchen kann.
  3. Auch wenn es heute üblich ist, Ausstellungen einem Thema zu unterwerfen, halten wir an unserer Idee fest, den Künstlern bei der Wahl ihres Werks alle Freiheiten zu lassen. Wir bestehen aber darauf, dass sie sich bei der Besichtigung der Örtlichkeiten mit der Geschichte, der Geographie sowie den sozialen und ökonomischen Problemen unseres Tals vertraut machen. Nur selten kommt es vor, dass Künstler nicht Bezug auf das nehmen, was ihnen alles gezeigt wurde. So entstehen, Ausstellung für Ausstellung, Werke, die auf Rousseau, den Absinth, die Uhrmacherei, den Asphalt anspielen oder sich ganz allgemein auf die nahe jurassische Landschaft beziehen – mit ihrem Wasserfall, ihrer Höhle, ihren steilen Felsen rund um ein Dorf aus dem 18. Jahrhundert mit einem Priorat aus dem 10. Jahrhundert.
  4. Da das Val-de-Travers weitab der grossen städtischen Zentren liegt – für manche sogar «am Ende der Welt» – legten wir mit unserer Plakatierung Wert auf eine starke Präsenz in der ganzen Schweiz. Für das Plakat wurden stets renommierte Künstler gewonnen: So trugen 1989 Tinguely, dann Ben, Mosset und Armleder, Förg und Sylvie Fleury dazu bei, unsere Region weit über ihre Grenzen hinaus bekannt zu machen. Das diesjährige Plakat signiert Daniel Spoerri.
  5. Schliesslich – und dies ist ein Aspekt unseres Konzepts, der uns besonders am Herzen liegt – hielten wir daran fest, unsere Leidenschaft für die Kunst mit der Dorfbevölkerung zu teilen. Wir denken in aller Bescheidenheit, dass uns dies gelungen ist. Die Künstler dürfen in privaten Gärten, Garagen, auf privaten Wiesen und an Hausfassaden oder in Schaufenstern ausstellen. Sie dürfen um Hilfe bitten, ein Werkzeug ausleihen, einen Schubkarren… die Bevölkerung von Môtiers ist gerne mit dabei. Über hundert Freiwillige kümmern sich in den drei Monaten um den Empfang der Besucher.

Die Besucher

Sie kommen aus der ganzen Schweiz, aus Frankreich und aus Deutschland. Ihre genaue Anzahl zu erfassen, ist jedoch sehr schwer. Auch wenn an der Kasse Eintrittskarten verkauft werden, gibt es immer wieder Leute, die ohne zu zahlen, an ihr vorbeigehen.
Dazu kommt, dass der Eintritt für die Bewohner von Môtiers und ihre Gäste gratis ist.

Zusammenfassung

Die Ausstellungen in Môtiers – 2015 findet die siebte statt – haben in der schweizerischen Kunstlandschaft einen wichtigen Platz eingenommen. Sie leben von den möglichen Bezügen der Kunst zur Geographie, zur Geschichte, zum Kulturerbe, zur Natur. Sie begeistern ein grosses Publikum von Laien, die oft mit ihren Familien kommen. Sie bieten jungen sowie schon bekannten Künstlern eine Möglichkeit zur Kreation ausserhalb der Museen und Galerien. Sie werten auch das Interesse auf für eine etwas abgelegene Gegend, deren Bevölkerung sich bei solchen Gelegenheiten voll einsetzt.